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RHEINISCHE POST vom Samstag, dem 22. April 2006
Becketts Fließung
“Zum 100. von Samuel Beckett präsentiert Erhard Mika seine malerischen Portraits des Dramatikers. Farbige
senkrechte oder waagerechte Linien ziehen sich über die Bildflächen - und in dem flirrenden Liniengespinst taucht phantomartig das markante Antlitz des Schriftstellers
auf. Im Hintergrund huschen bisweilen noch schemenhaftig Figuren durch den leeren Raum, und da denkt man gleich an die “staubigen Brüder” oder all das
philosophische Personal aus dem Wartesaal des Dichters. Bereits in den 60er Jahren beeindruckten und beinflussten die Aufführungen der Avantgarde-Stücke den
Künstler Mika (Jahrgang 1949) und folglich versteht er seine Porträts auch als Hommage an den Dramatiker. Er entwickelt sie stets aus einer “Farbfamilie”
heraus. Mal herrschen blaue kühle Töne vor, mal wird Becketts Kopf von warmen Rot- Orange - Linien in Acryl oder Ölfarbe eingesponnen. Besonders gelungen
erscheinen die horizontalen Breitformate, denn hier suggerieren die Farblinien eine schnelle Bewegung, und aus diesem dynamischen Zeitstrom (Mika nennt es
“Fließung”) blickt der Autor des Absurden wie ein noch Gegenwärtiger hervor. Für die Darstellung des Aufscheinens und Verschwindens von Dasein hat der
in Köln lebende Maler mit seinen “vibrierenden Strukturfeldern” offensichtlich eine adäquate Technik gefunden. Dabei übersetzt er die von Fotografien
bekannten Porträts in Malerei - technisch brillant. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob die Arbeiten dem Thema wirklich gerecht werden - denn für den sperrigen
Beckett erscheinen sie ein wenig zu schön und gefällig. Auf die unvorstellbare Perfektion Becketts müsse man als Maler auch eine perfekte Antwort geben; kontert
Mika.”
Klaus Sebastian (c)
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