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Katharina Mayer "familia"
Der zentralen Bedeutung der Familie als weltweit verbreitete, universelle Lebensform und eine der bedeutendsten Instituitionen bei
der Vermittlung von ethischen und moralischen Werten, gilt das Hauptinteresse Katharina Mayers in ihrem Projekt "familia", an dem sie seit 2001 arbeitet. Religion, Gemeinsamkeit, Konfliktfähigkeit,
Verantwortung, Liebe und Toleranz werden gemeinhin über die Famile vermittelt. Die Fotografin besucht Familien in europäischen Städten, um sie in ihrem Wohnumfeld und bisweilen auch in ihren Gärten zu
fotografieren. Sie bedient sich dabei der bewährten Form des Gruppenbildes, wie man sie früher anläßlich besonderer Familienfeste beim Fotografen im Studio machen ließ. Ein Familienporträt bildet die Grenze
zwischen Öffentlichem und Privatem. Diese Grenze zu finden und auf ihr zu experimentieren, ist das Anliegen der Künstlerin. Deshalb greift sie mit einfachen, inszenatorischen Stilmitteln in das Bildgeschehen der
ansonsten traditionellen Kompositionen ein: Ein junger, auf dem Fußboden eines Wohnzimmers kniender Mann, dessen Kopf und Oberkörper auf einem Tisch ruhen, während die Familie, die um ihn gruppiert ist, gebannt
auf ihn blickt, hat dieses Quäntchen Absurdität, das Katharina Mayer in die Bilder dieser Serie gelegentlich einstreut.
Angeregt zu solchen irritierenden Arrangements wurde die Künstlerin von einer
Schwarzweißfotografie aus dem Ende des 19. Jahrhunderts, bei dem eine Familie gleichmäßig um einen Tisch angeordnet und ein kleiner Junge mit einem langen Bart verkleidet ist, was dem Bild einen seltsamen,
humorvollen Unterton verleiht.
Der vielschichtigen Herausforderung, das das Thema Familienporträt an eine Künstlerin stellt, nähert sich Katharina Mayer, indem sie die Anordnung mehrerer Menschen auf
einem Bild so gestaltet, dass sie dabei die Bedeutung des einzelnen nicht aus dem Blick verliert. Sie macht die Aufnahmen meist in den Privaträumen der Protagonisten, weil die Menschen dort optimal in ihrer
sozialen Lebenswelt, in ihrer Beziehung zueinander, in ihrer stummen Sprache untereinander gezeigt werden können. Die Interaktion zwischen den Personen, bestehende Hierarchien, verwandte Gesten und Körpersprache
interessiert Katharina Mayer hierbei am meisten.
Dr. Rupert Pfab, Hamburg 2005
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