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Rudolf von Benningsen-Foerder, Foto: EON AG

Foto: EON AG

Rudolf von Benningsen-Foerder

Interview mit Rudolf von Bennigsen-Foerder,
Vorstandsvorsitzender der VEBA AG 

 v. Bennigsen: Unsere Glaubwürdigkeit [der Unternehmer] ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Frage ist nur: Woran liegt das? Der Verlust der Glaubwürdigkeit kommt auch durch eine unausgewogene Berichterstattung im Fernsehen wie in der Presse. Ich habe nichts dagegen, wenn in den Medien die Sorgen um die Umwelt dramatisch geschildert werden. Das gehört zum Auftrag der Medien. Aber ich wünschte mir, dass dann auch die andere Seite der Medaille dargestellt wird. Daran hapert es. Dann kommen die Katastrophen wie Tschernobyl oder Sandoz, die die Arbeit vieler Jahre mit einem Schlag vernichten. Daß wir vor allen Dingen in der Bundesrepublik Deutschland so allergisch reagieren, ist ein bisschen in unserem Charakter begründet. Ich sage es einmal anders: Es geht uns halt zu gut.
   WELT: Wie sollen wir das verstehen?
   v. Bennigsen: Wir haben das Verständnis für Zusammenhänge und globale Probleme verloren. Wir gehen davon aus, dass wir hier in einer Art Vollkasko-Gesellschaft leben, die sich gar nicht vorstellen kann, daß irgendwo etwas nicht so läuft, wie sie es sich vorstellt. Bilderbuchmäßig. Und das gibt es leider nicht. Eine 100 Prozent sichere Technik gibt es nicht. Eine Wohlstandsgesellschaft wie die unsere kann aber nur existieren und fortdauern, wenn sie bereit ist, den Preis dafür zu bezahlen – nicht nur in Geld...
   WELT: Wenn Kriminelles in kritischen Industriebereichen passiert ..., dann ist das verheerend.
   v. Bennigsen: Das sind in der Tat Vorgänge, die mich außerordentlich bedrücken, womit man wirklich riskiert, dass die Branche als ganzes verurteilt wird...
 

   WELT: Herr v. Bennigsen, Sie haben das Wort Ethik bemüht. Manager und Moral – was ist das?
   v. Bennigsen: Hier gelten die gleichen Maßstäbe wie in anderen Bereichen. Früher hieß es, er ist ein ehrbarer Kaufmann. Tricks und Illoyalität zur Person oder zur Sache zahlen sich nicht aus.
   WELT: Sprachlosigkeit, Glaubwürdigkeit, Ethik. Wenn wir so herumschauen, dann sehen wir viele Unternehmer als Techniker der Macht, als Funktionäre, als Anpasser...
   v. Bennigsen: ... flexibel zu bleiben oder sensibel zu sein muß nicht falsch sein. Die Zeit der Ellenbogenunternehmer ist vorbei. Besonders vorgeworfen wird dem Manager, dass er verpflichtet ist, Gewinne zu machen. Aber das ist das System, mit dem unsere Gesellschaft funktioniert. Die Frage ist nur, wo werden Maßstäbe oder Grenzen überschritten. Ich finde, wir sollten nicht Idealvorstellungen nachhängen, von denen wir wissen, dass die menschliche Natur darauf nicht ausgerichtet ist.
   WELT: So einfach ist das also. Wird der Unternehmer in den nächsten Jahren nicht doch in anderen Kategorien denken müssen, die weit über das Gewinnemachen hinausgehen?
   v. Bennigsen: Das geschieht doch – Gewinne sind nie Selbstzweck. Stichworte sind gesellschaftspolitische Verantwortung, Sicherheit von Arbeitsplätzen, Schutz der Umwelt, Strukturwandel.
   Im übrigen: Wir stehen vor der Realisierung des Binnenmarktes. Und denken Sie doch bitte nicht, dass unsere Kollegen im europäischen oder internationalen Ausland in allen Kategorien die gleiche Auffassung wie wir Deutschen haben. Wir stehen vor einem beinharten Wettbewerb..
(„Die Deutschen wollen eine Vollkasko-Gesellschaft“, in: Die Welt, 13.3.1989)
 

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